19. 12. 2019

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19. 12. 2019

Sessionsveranstaltung "Basistunnel Ceneri - Chancen für den Güter- und Personenverkehr"

Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels Ende 2020 wird die NEAT vollendet. Die Flachbahn durch die Alpen wird Realität und das Jahrhundertbauwerk wird abgeschlossen. Die Vollendung der NEAT ist Abschluss und Auftakt zugleich: Es ergeben sich neue Chancen – aber auch neue Herausforderungen. Wie diese aussehen, wurde an der LITRA Sessionsveranstaltung vom 18. Dezember 2019 mit Vertretern aus Politik, der Bahnbranche und von Transportunternehmen diskutiert.

«Der Bau ist abgeschlossen, die Verlagerung nicht». Mit diesen Worten eröffnete LITRA-Präsident Martin Candinas die Veranstaltung. Die Inbetriebnahme des Tunnels bedeutet reduzierte Transportzeiten und mehr Kapazität für den Güterverkehr. Andreas Meyer, CEO der SBB strich dabei die Wichtigkeit des Projektes für ganz Europa hervor: «Der Ceneri-Basistunnel ist ein Quantensprung in der Mobilität Europas». Im Güterverkehr könne die Transportzeit um bis zu zwei Stunden reduziert werden und es gebe zusätzliche Kapazität. In diesem Zusammenhang machte Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr BAV darauf aufmerksam, dass die Eröffnung alleine noch nicht ausreiche, um den Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Der Marktanteil der Schiene sei zwar in den letzten Jahren leicht gestiegen und die Schweiz habe europaweit den höchsten Anteil Güterverkehr auf der Schiene. Aber: «Der Bundesrat hat basierend auf dem Verlagerungsbericht ein Massnahmenpaket beschlossen, um die Verlagerung mit flankierenden Massnahmen zu unterstützen». So sind Anpassungen beim Trassenpreis und der Schwerverkehrsabgabe geplant. Diese sollen dem Güterverkehr auf der Schiene zusätzlichen Schub verleihen.

«Eine gute Bahninfrastruktur ist eine notwendige, aber noch keine ausreichende Voraussetzung für die Verlagerung des Transitgüterverkehrs von der Strasse auf die Schiene», betonte Regula Rytz, Nationalrätin und Vorstandsmitglied des Vereins Alpeninitiative. «Die Alpeninitiative wurde vor über 25 Jahren angenommen und das Verlagerungsziel ist nach wie vor nicht erreicht.» Es brauche weitere Anreize und Fördermassnahmen für die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene, damit der Volksauftrag wirklich umgesetzt werden könne. Konkrete Forderungen stellte die Transportbranche. Hans-Jörg Bertschi, Verwaltungsrat-Präsident der Hupac-Gruppe mahnte, ohne die Fortführung der Subventionen für den kombinierten Verkehr drohe eine Rückverlagerung auf die Strasse. «Es braucht Fördermittel, ansonsten bleibt die Verlagerung stecken».

Herausforderung Zuverlässigkeit

Eine grosse Herausforderung bei der Verlagerung stellt die Zuverlässigkeit dar: Unter anderem aufgrund der vielen Baustellen und der hohen Verkehrsdichte auf dem Schienennetz sind zu viele Güterzüge unpünktlich unterwegs. «Ohne eine Steigerung der Qualität werden die Massnahmen verpuffen», warnte Peter Füglistaler. Dieser Ansicht ist auch Hans-Jörg Bertschi: «Qualität ist der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit des kombinierten Verkehrs». Weitere Massnahmen der Betreiber seien nötig, um die Qualität zu steigern.

Diese Problematik sieht Hans-Peter Vetsch, Geschäftsführer des Gotthard-Komitees jedoch nicht nur beim Güterverkehr, sondern auch beim Personenverkehr: Es könne nicht sein, dass Personen vor dem Gotthard-Basistunnel aussteigen müssten. In diesem Punkt gab Roberta Cattaneo, die Leiterin der Region Süd der SBB jedoch Entwarnung: «Dank dem 4-Meter-Korridor können ab Fahrplanwechsel 2020 in den Hauptverkehrszeiten Doppelstockzüge zum Einsatz kommen». Dies ist heute aufgrund der zu niedrigen Tunnels noch nicht möglich.

Quantensprung im öffentlichen Verkehr im Tessin

Der Ceneri-Basistunnel ist jedoch nicht nur für den Güter- und den Fernverkehr von grosser Bedeutung, auch im Tessin ändert sich einiges. «Es gibt bald keine Ausrede mehr, den öffentlichen im Verkehr im Tessin nicht zu benutzen», meinte Roberta Cattaneo. Wie im LITRA-Artikel vom 16. Dezember erläutert, ist die Eröffnung des Tunnels für den öffentlichen Verkehr im Tessin ein Quantensprung. Die Fahrtzeit zwischen Locarno und Lugano wird halbiert und es gibt mehr und schnellere Verbindungen. So soll der noch tiefe öV-Anteil im Tessin erhöht werden .

Die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels ist also sowohl für den Güter-, als auch für den Personenverkehr eine markante Verbesserung. Und sie stellt Abschluss und Auftakt zugleich dar: Der Abschluss eines Jahrhundertebauwerks und der Auftakt in ein neues Zeitalter der Mobilität in Europa. Werden die anstehenden Herausforderungen angegangen, bedeutet das: Mehr Verkehr auf der Schiene und weniger CO2 in der Luft.

Die LITRA bedankt sich bei den Referenten und Teilnehmern für ihren Auftritt.

Die nächste Sessionsveranstaltung findet am Donnerstag, 19. März 2020 statt.

Die Informationsfahrt 2020 findet am Donnerstag, 28. Mai 2020 statt und führt ins Tessin. Im Zentrum steht die exklusive Fahrt durch den Ceneri-Basistunnel