25. 06. 2026

«Mobilität bedeutet Lebensqualität»

LITRA-Präsident und Nationalrat Martin Candinas spricht im Interview mit der Bus und Service AG über die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs für die Schweiz, über künftige politische und finanzielle Herausforderungen sowie über die Rolle regionaler Busunternehmen für eine nachhaltige Mobilität. Das Gespräch erschien im Geschäftsbericht der Bus und Service AG, von Engadin Bus und Chur Bus.

Mit Blick auf Chur: LITRA-Präsident Martin Candinas spricht im Interview mit Chur Bus und Engadin Bus über die Zukunft des öffentlichen Verkehrs. © Chur Bus

Nationalrat Martin Candinas ist Präsident der LITRA, die sich seit rund 90 Jahren für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz einsetzt. Mit über 200 Mitgliedern engagiert sich der Verband national für gute Rahmenbedingungen sowie für ein leistungsfähiges, umweltgerechtes und integriertes Verkehrssystem. Martin Candinas repräsentiert die LITRA nach aussen und vertritt die Interessen des öffentlichen Verkehrs in der Politik.

Herr Candinas, Sie sind Nationalrat und Präsident von LITRA: was bedeutet der öffentliche Verkehr für Sie persönlich?

Der öffentliche Verkehr ermöglicht allen Menschen in unserem Land eine hohe Mobilität – und Mobilität bedeutet Lebensqualität. Eine gute Erschliessung stärkt den nationalen Zusammenhalt, sichert Arbeitsplätze und Dienstleistungen und ist wichtig für den Tourismus sowie eine zuverlässige ganzjährige Versorgung. Kurz gesagt: Der öffentliche Verkehr ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor.

Wie profitieren der öffentliche Verkehr und die Regionen von Ihrer Doppelrolle als Nationalrat und LITRA-Präsident?

Seit meiner Wahl in den Nationalrat 2011 bin ich Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, seit 2016 zudem Präsident der LITRA. Diese Doppelrolle erlaubt mir, frühzeitig über geplante Vorhaben des Bundes informiert zu sein und unsere Positionen bereits in der Vorbereitungsphase einzubringen. Gelingt dies nicht, erfolgt die Einflussnahme im parlamentarischen Prozess.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für den öV in den nächsten 10 – 15 Jahren?

Die grösste Herausforderung sind die Finanzen. Die Ausbauwünsche sind gross, doch wir werden stärker priorisieren müssen. Das ist politisch anspruchsvoll. Zudem darf der Unterhalt nicht vernachlässigt werden: Er ist wenig spektakulär, aber zentral für einen funktionierenden öffentlichen Verkehr. Unterhalt und Angebotsqualität müssen Vorrang vor weiterem Ausbau haben.

«Der öffentliche Verkehr ist ein Dienst an der Bevölkerung, entsprechend muss das Angebot attraktiv und zuverlässig sein.» Martin Candinas, LITRA-Präsident und Nationalrat. © LITRA

Was erwarten Sie aus Sicht der Politik von regionalen Busunternehmen wie Chur Bus und Engadin Bus – und was dürfen diese im Gegenzug von der Politik erwarten?

Von Unternehmen wie Chur Bus und Engadin Bus erwarte ich Innovationskraft, Effizienzsteigerung und konsequente Kundenorientierung. Der öffentliche Verkehr ist ein Dienst an der Bevölkerung, entsprechend muss das Angebot attraktiv und zuverlässig sein. Die Politik unterstützt dies mit Beiträgen im regionalen Personenverkehr sowie bei der Umstellung der Busflotten auf Elektroantriebe. Der öV gilt als Rückgrat einer nachhaltigen Mobilität.

Wo sehen Sie insbesondere bei der Anbindung der letzten Meile noch ungenutztes Potenzial?

Den Taktfahrplan können wir nicht unbegrenzt verdichten. Für die letzte Meile braucht es flexiblere Angebote, denn leere Busse helfen niemandem. Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, um insbesondere in peripheren Regionen die Bedürfnisse der Pendlerinnen und Pendler besser abzudecken.

Was stimmt Sie optimistisch, wenn Sie an die Zukunft des öffentlichen Verkehrs denken?

Bevölkerungswachstum und steigender Wohlstand führen zu einem höheren Mobilitätsbedarf, während der verfügbare Raum begrenzt ist. Der öffentliche Verkehr ist hier ein zentraler Teil der Lösung: Als Massenverkehrsmittel transportiert er viele Menschen auf wenig Fläche. Deshalb müssen wir ihn stärken, um die verkehrspolitischen Herausforderungen der Zukunft effizient zu bewältigen.

Welche Botschaft möchten Sie den Mitarbeitenden von Chur Bus und Engadin Bus mit auf den Weg geben?

Ich nutze Chur Bus regelmässig und möchte allen Mitarbeitenden herzlich für ihren täglichen Einsatz danken. Besonders die Busfahrerinnen und Busfahrer leisten unter oft anspruchsvollen Bedingungen hervorragende Arbeit – sei es wetter-, baustellen- oder kundenbedingt.