25. 09. 2026

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25. 09. 2026

InnoTrans 2026: Rekorde in Berlin – und die Schweizer Bahnindustrie mittendrin

Mehr Aussteller, mehr Fläche, mehr Fahrzeuge als je zuvor: Die 30. InnoTrans in Berlin hat neue Rekorde aufgestellt. Für die Schweizer Bahnindustrie war die weltgrösste Messe für Verkehrstechnik Schaufenster und Treffpunkt zugleich. Am Swissrail-Stand wurde zudem eine Zusammenarbeit mit der ukrainischen Staatsbahn besiegelt.

Zum 30-Jahr-Jubiläum strömten Fachbesucherinnen und Fachbesucher aus aller Welt zur InnoTrans nach Berlin. © Messe Berlin GmbH

Von Michael Bützer, Geschäftsführer der LITRA | Berlin

Vom 22. bis 25. September 2026 traf sich die internationale Bahnbranche in Berlin zur 30. InnoTrans. Pünktlich zum Jubiläum meldeten die Veranstalter Rekordzahlen: Über 3’170 Aussteller füllten alle 42 Hallen des Messegeländes, insgesamt 200’000 Quadratmeter. Auf dem rund 20’000 Quadratmeter grossen Freigelände zeigten Unternehmen aus 17 Ländern 113 Fahrzeuge. Mit deutlich über 170’000 erwarteten Besucherinnen und Besuchern dürfte auch der Rekord von 2024 fallen. Zum Vergleich: An der ersten InnoTrans 1996 zählte man 172 Aussteller und rund 6’400 Fachbesuchende.

Eröffnet wurde die Messe von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas vor rund 1’000 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Im Eröffnungspanel diskutierten unter anderem Alstom-CEO Martin Sion, Siemens-Mobility-Chef Michael Peter und Škoda-Group-CEO Petr Novotny über die Zukunft der Bahnindustrie. Bereits am Vorabend hatte der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) zu seinem traditionellen Empfang geladen.

Wer den Überblick behalten wollte, konnte sich einem der geführten Rundgänge anschliessen. Zu den bewährten World Innovation Tours und AI Tours kamen 2026 erstmals Robotics Tours hinzu, insgesamt zehn Rundgänge pro Tag. Der World Innovation Guide listet 180 Weltpremieren aus den fünf Messebereichen Railway Technology, Railway Infrastructure, Public Transport, Interiors und Tunnel Construction. Tagsüber folgte ein Fachvortrag auf den nächsten, abends luden grosse Hersteller wie Alstom, Stadler oder Siemens Mobility zu Empfängen und Kundenanlässen. Es waren vier dicht getaktete Tage.

Auf dem Freigelände der InnoTrans 2026: Zehntausende Fachbesucherinnen und -besucher vor den Fahrzeugen von Stadler, Siemens Mobility und Alstom. © LITRA

Grosse Staatsbahnen und Hersteller prägen das Bild

Wie gross die InnoTrans ist, zeigt sich vor allem an den weitläufigen Ständen der nationalen Bahnen und der grossen Fahrzeughersteller. Die Deutsche Bahn war als Gastgeberin traditionell mit einem der grössten Stände vertreten und zeigte Neuerungen für Kundinnen und Kunden ebenso wie für den Bahnbetrieb. Gross auf traten auch die französische SNCF, der italienische FS-Konzern mit Trenitalia, die österreichische ÖBB und der chinesische Hersteller CRRC. CRRC stellte als Weltpremiere «Velforce» vor, den Prototyp einer Lokomotive mit Brennstoffzellenantrieb. Ferrovie dello Stato Italiane zeigte ein fahrerloses Fahrzeug.

Die neue Traxx-Universal-Lok von Alstom für den Güterverkehrsvermieter Captrain auf den Aussengleisen der InnoTrans. © LITRA

Unter den Fahrzeugherstellern stachen Stadler, Siemens Mobility und Alstom heraus. Alstom zeigte auf den Aussengleisen unter anderem den Coradia Stream für Trenitalia und mehrere Traxx-Universal-Loks für die Vermieter Railpool und Captrain. Neu präsentierte das Unternehmen ein rahmenloses Drehgestell, das Gewicht und Vibrationen reduzieren und mehr Kapazität ermöglichen soll. Täglich zu sehen war zudem eine Live-Demonstration mit der Deutschen Bahn: Eine ferngesteuerte Münchner S-Bahn der Baureihe 423 fuhr zum Werk Hennigsdorf und zurück. Ein Sicherheitsfahrer war an Bord, griff aber nicht ein.

Siemens Mobility stellte seinen Auftritt unter das Motto «X». Signaling X ist eine offene, cloudbasierte Signaltechnik, die Betriebskosten senken und die Streckenkapazität erhöhen soll. Die Mobility Software Suite X bündelt digitale Angebote für Fahrgäste und Betreiber. Und die neue Lok Vectron X hat einen zentralen Smart Screen und einen App-Store für Anwendungen von Drittanbietern. ABB Schweiz zeigte an ihrem Stand in Halle 9 Traktionslösungen wie Umrichter und Batteriesysteme sowie digitale Anwendungen für die vorausschauende Wartung von Schienenfahrzeugen.

Ganz im Zeichen eines digital vernetzten Bahnsystems: der Stand von Siemens Mobility an der InnoTrans 2026. © LITRA

Ebenfalls vertreten war Indien, wo sich die Bahn derzeit stark entwickelt. Mit Delhi Metro International und dem Antriebshersteller Hirect präsentierten sich erstmals indische Unternehmen auf dieser internationalen Bühne. Der Zeitpunkt passt: Seit Oktober 2025 ist das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und Indien (TEPA) in Kraft und schafft neue wirtschaftliche Verbindungen zwischen den beiden Ländern. Am Rail Leaders’ Summit brachte es die indische Staatssekretärin D. Thara auf den Punkt: «Was wir von Ihnen lernen können, ist immens, aber auch wir haben Wissen zu bieten.»

Der Schweizer Auftritt: Industrie statt Staatsbahn

Die SBB hat an der InnoTrans seit einigen Jahren keinen eigenen Stand mehr. Anders als DB, SNCF oder Trenitalia exportiert sie keine Bahntechnik. Den Auftritt der Schweizer Bahnindustrie organisiert deshalb Swissrail, die Branchenorganisation der Schweizer Bahn- und Mobilitätsindustrie. Am Gemeinschaftsstand in den Hallen 2.2 und 26 waren über 50 Unternehmen beteiligt. Seit 2022 organisiert Swissrail ihren Auftritt konsequent klimabewusst, von der Anreise über den Standbau bis zur Verpflegung. Ein grosser Teil der Delegation reiste mit dem Zug nach Berlin, die restlichen Emissionen werden über Klimaschutzprojekte kompensiert.

Vor Ort war praktisch die gesamte Schweizer Bahnindustrie: Stadler, Alstom, Siemens Mobility, ABB Schweiz, Knorr-Bremse, Furrer+Frey, Rhomberg Sersa und Hitachi Rail Schweiz, aber auch kleinere, ebenso aktive LITRA-Mitglieder wie FAIRTIQ, GESTE Engineering, Prose, Qnamic, Enotrac, Swisscom oder SMA & Partner. Transportunternehmen wie SBB, BLS oder die Rhätische Bahn schickten Delegationen nach Berlin. Einen eigenen Stand brauchen sie nicht, weil sie nicht exportieren. Für Beschaffung und fachlichen Austausch nutzen sie die Messe aber intensiv.

Stadler hatte in Halle 2.2 gleich neben dem Swissrail-Gemeinschaftsstand einen eigenen, grossen Stand. Im Zentrum standen Fahrzeuge, intelligente Instandhaltung sowie Signal- und Automatisierungslösungen, dazu kamen täglich mehrere Fachreferate im eigenen Vortragsforum. Auf dem Freigelände zeigte Stadler sieben Fahrzeug-Weltneuheiten:

  • die Mehrsystemlokomotive EURO-DuFour für SBB Cargo International
  • den FLIRT Nordic Express für die norwegische Norske tog
  • den weltweit ersten wasserstoffbetriebenen Meterspur-Triebzug, gebaut für Italien
  • den doppelstöckigen KISS Railjet
  • den batteriebetriebenen FLIRT Akku für die ÖBB
  • neue Fahrzeuge für die Strassenbahn Rostock und die Stadtbahn Stuttgart

Übrigens ist auch der öV-Nachwuchs jeweils in Berlin anzutreffen. So werden unter anderem die Gewinnerinnen und Gewinner des Prix LITRA von der InnoTrans an die Messe eingeladen.

Die neue Mehrsystemlokomotive EURO-DuFour von Stadler für SBB Cargo International, eine der sieben Fahrzeug-Weltneuheiten des Unternehmens an der InnoTrans 2026. © LITRA

Memorandum of Understanding zwischen Swissrail und der ukrainischen Staatsbahn

Am Mittwoch unterzeichneten Swissrail und die ukrainische Staatsbahn Ukrzaliznycja (UZ) ein Memorandum of Understanding für eine künftige Zusammenarbeit. Angeführt wurde die ukrainische Delegation von CEO Oleksandr Pertsovskyi. Mit dabei waren Finanzvorstand Mykola Ivaniniv sowie Roman Bilousov und Oleh Yakovenko, die Direktoren für internationale Kooperation beziehungsweise für Strategie und Transformation. Nach der Begrüssung durch Pertsovskyi und Botschafter Ivo Germann, Chef Aussenwirtschaft beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, stellten sich mehrere Schweizer Unternehmen kurz vor.

Pertsovskyi dankte der Schweiz für ihre Unterstützung, die sein Land heute dringend brauche, und wünschte sich eine langfristige Partnerschaft. Sein Ziel: Die Ukraine soll einmal eine so pünktliche und zuverlässige Bahn haben wie die Schweiz.

Unterzeichnung des Memorandum of Understanding zwischen Swissrail und der ukrainischen Staatsbahn Ukrzaliznycja am Swissrail-Stand. © LITRA

Schweizer Hilfe beim Wiederaufbau der ukrainischen Bahn

Zwei Schweizer Unternehmen helfen bereits konkret beim Wiederaufbau der ukrainischen Bahninfrastruktur. Schwihag baut mit 14,4 Millionen Franken Unterstützung des Bundes in der Ukraine eine eigene Produktion für Schienenbefestigungen auf und schafft dort bis zu 20 Arbeitsplätze. Arthur Flury stellt mit einem Beitrag von 12,9 Millionen Franken Fahrleitungen nach Schweizer Standard für die ukrainische Bahn her und bildet dabei auch Personal der UZ aus.

Beide Projekte gehören zu einem Paket von zwölf Wiederaufbauprojekten mit Schweizer Beteiligung, die der Bund mitfinanziert. Das Gesamtvolumen beträgt über 112 Millionen Franken, rund 93 Millionen davon stammen aus der Schweiz. Derzeit fliessen rund 30 Prozent dieser Schweizer Mittel in den Bahnbereich. Zudem will der Bundesrat bis 2036 insgesamt 5 Milliarden Franken für den Wiederaufbau der Ukraine bereitstellen, rund 1,5 Milliarden davon bis 2028.

Hintergrund ist die anhaltende Zerstörung der ukrainischen Bahn durch Russland. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 wurden rund 750 Lokomotiven und Güterwagen beschädigt oder zerstört. Dazu kommen mehrere hundert Kilometer Gleise sowie Bahnhöfe, Terminals und weitere Anlagen, und die Angriffe wurden in den letzten Monaten immer intensiver. Zunehmend zielen sie auf die Exportwege des Landes, vor allem auf die Bahnverbindungen zu den Häfen am Schwarzen Meer, über die ein Grossteil des ukrainischen Getreides exportiert wird. Mitte September 2026 musste nach russischen Angriffen nahe der polnischen Grenze sogar ein internationaler Delegationszug evakuiert werden. Umso mehr Gewicht haben die Schweizer Wiederaufbauprojekte im Bahnbereich.

Empfang am Swissrail-Stand: Deutschland als Schlüsselmarkt

Am Donnerstag fand am Swissrail-Stand ein Empfang mit Livia Leu statt, der Schweizer Botschafterin in Deutschland. Im Zentrum stand die Bedeutung der Schweizer Bahnindustrie für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Deutschland gehört zu den wichtigsten Exportmärkten der Branche, und die Beziehungen sind vielschichtig: Bei Ausschreibungen deutscher Verkehrsbetriebe konkurrieren Schweizer Hersteller wie Stadler mit internationalen Anbietern wie Siemens, in anderen Projekten arbeiten dieselben Unternehmen als Partner zusammen.

Laut einer Studie von Swissrail und LITRA sichert die Bahnindustrie als bedeutende Exportbranche rund 11’000 Vollzeitstellen in der Schweiz. Mit einem Exportumsatz von 3,4 Milliarden Franken erwirtschaftet sie jeden dritten Franken im Ausland, das entspricht einer Wertschöpfung von 700 Millionen Franken. Ein offener, funktionierender deutscher Markt ist dafür eine wichtige Voraussetzung.

Swissrail-Präsident Christian Schnyder und Livia Leu, Schweizer Botschafterin in Deutschland, am Empfang am Swissrail-Stand. © LITRA

Die Schiene gewinnt weltweit an Bedeutung

Mehr Aussteller, mehr Fläche, mehr Fahrzeuge und mehr Besuchende als je zuvor: Die Rekordzahlen der InnoTrans 2026 sind mehr als Messestatistik. Sie zeigen, dass die Schiene weltweit an Bedeutung gewinnt. Das bestätigt auch die 11. World Rail Market Study von UNIFE und Bain & Company, die an der Messe vorgestellt wurde. Sie rechnet für den globalen Bahnmarkt bis 2029–2031 mit einem jährlichen Wachstum von 3,2 Prozent auf 266,8 Milliarden Euro. Am stärksten wächst der Markt in Lateinamerika (5,5 Prozent) und Westeuropa (3,7 Prozent).

Dieses Wachstum kann die Mobilitätswende beschleunigen. Die Mobilitätsbedürfnisse wachsen, der Platz wird knapper und der Verkehr muss klimaverträglicher werden. Der Massentransport auf der Schiene muss deshalb seinen Anteil am Gesamtverkehr weiter erhöhen.

Eine Gruppe um Prix-LITRA-Jurymitglied Prof. Thomas Sauter-Servaes von der ZHAW zu Besuch am Swissrail-Gemeinschaftsstand. © LITRA

Für die Schweiz heisst das: Sie muss eines der besten öV-Systeme der Welt weiterentwickeln und langfristig sichern. Nur so kann die heimische Industrie ihr Know-how auch in Zukunft in über 110 Länder exportieren. Die Chancen sind gross, das haben der breite Gemeinschaftsauftritt und die Präsenz praktisch aller grösseren Branchenmitglieder in Berlin gezeigt. Gross ist aber auch die internationale Konkurrenz, wie die Stände der Staatsbahnen und Hersteller aus Deutschland, Frankreich, Italien und China deutlich machten.

Mit dem Memorandum of Understanding zwischen Swissrail und Ukrzaliznycja rückte zudem ein Thema in den Vordergrund, das weit über den Messebetrieb hinausgeht: der Beitrag der Schweizer Bahnindustrie zum Wiederaufbau der ukrainischen Bahn.

Hinweis: Bei der Erstellung dieses Textes wurde KI eingesetzt. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei der LITRA.