05. 02. 2026

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05. 02. 2026

Gastbeitrag: Versorgung mit einheimischem Zement langfristig sichern

Die Zementproduktion ist energie- und CO2-intensiv, wobei ein Grossteil der Emissionen durch das Brennen von Kalkstein unvermeidbar bleibt. . Um das klimapolitische Netto-Null-Ziel zu erreichen, muss die Zementindustrie in Technologien wie CO2-Abscheideanlagen investieren. Diese Anlagen sind enorm kostenintensiv. Damit diese Kosten langfristig geplant und getragen werden können, braucht die Industrie Planungs- und Investitionssicherheit. Gleich lange Spiesse gegenüber Konkurrenten mit weniger strengen klimapolitischen Vorgaben sind eine weitere Grundvoraussetzung. Mit dem geplanten Gesetzesentwurf zum CO2-Grenzausgleich für Zement sollen genau diese Planungssicherheit und gleich langen Spiesse sichergestellt werden – und damit auch die langfristig gesicherte Versorgung der Schweiz mit einheimischem Zement.

Von Stefan Vannoni, Direktor von cemsuisse und Dominique Engelhart, Leiterin Kommunikation und Public Affairs cemsuisse

Zement ist aus entwickelten Volkswirtschaften nicht wegzudenken. Staumauern, Brücken, Tunnels und Verkehrsinfrastrukturen sowie Fundamente für Bahnhöfe, Spitäler oder Hochhäuser sind ohne Beton nicht denkbar. Zement ist dabei das zentrale Bindemittel zur Herstellung von Beton. Dabei ist die Schweiz in der glücklichen Lage, über ausreichende Mengen von qualitativ hochstehendem Kalkstein und Mergel zu verfügen, um Zement im Inland herzustellen.

Neuer RBS-Tiefbahnhof Bern © cemsuisse

Schweizer Klimaziele erfordern immense Investitionen in CO2-Abscheidungsanlagen

Die Schweizer Zementindustrie ist aufgrund ihrer Produktionsprozesse eine energie- und CO2-intensive Industrie. Ein Grossteil der CO2 Emissionen ist aufgrund chemischer Reaktionen untrennbar mit der Produktion von Zement verbunden. Die Schweizer Zementunternehmen haben ihren ökologischen Fussabdruck daher bereits seit Jahrzehnten zur Priorität erklärt und die Emissionen bei der Zementherstellung seit 1990 um rund 40 Prozent reduziert. Und sie steht hinter dem Netto-Null-Ziel 2050. Die ambitionierten Schweizer Klimaziele erfordern jedoch immense zusätzliche Investitionen. Dies gilt insbesondere für CO2-Abscheidungstechnologien (CCUS), die Investitionen von mehreren hundert Millionen Franken pro Zementwerk erfordern. CO2-Abscheideanlagen werden am Zementwerk installiert und fangen die Emissionen an der Quelle ab, um sie anschliessend sicher zu speichern oder das CO2 weiterzuverwenden. Damit solch teure Anlagen möglich werden, braucht die Branche stabile Rahmenbedingungen und Investitionssicherheit. Zudem ist zentral, dass die Schweizer Unternehmen gegenüber den Konkurrenten aus Nicht-EU-Ländern mit weniger ambitionierter Klimapolitik nicht benachteiligt werden. Zementunternehmen in der Schweiz und der EU bezahlen für ihre CO2-Emissionen im Rahmen des Emissionshandelssystems einen Preis. Diese klimapolitischen Kosten – welche Unternehmen z.B. in der Türkei oder Algerien nicht tragen müssen - machen zunehmend einen substanziellen Anteil der Produktionskosten in der Schweiz aus.

Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Zements bedroht

In der Schweiz und der EU sind die Zementunternehmen verpflichtet am Emissionshandelssystem teilzunehmen. Mit der Reduktion der kostenlos zugeteilten Emissionsrechte ab 2026 fallen für die Zementindustrie verglichen mit Konkurrenten aus Nicht-EU-Ländern unverhältnismässig hohe Kosten an. Ohne adäquate Ausgleichsmassnahmen wäre die Zementindustrie in der Schweiz in Zukunft bald nicht mehr wettbewerbsfähig. In der Folge müsste die CO2-intensive Klinkerproduktion ins Ausland verlagert werden. Dies hätte nicht nur rund einen Viertel höhere Treibhausgasemissionen bei gleicher Produktionsmenge zur Folge, sondern würde auch die Versorgungssicherheit und Entsorgungswege für Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz gefährden. Denn die Industrie leistet über ihre unmittelbare Baustoffproduktion hinaus auch einen wichtigen gesamtgesellschaftlichen Beitrag. Dazu zählt beispielsweise das bislang wenig bekannte Engagement der Zementindustrie bei der Beseitigung von synthetischen Industriechemikalien (PFAS). Die Hochtemperaturprozesse erlauben es PFAS zu über 99 % zu zerstören.

Nicht-Einführung eines CO2-Grenzausgleichs CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) – Folgen für Zementindustrie und Umwelt © Polynomics 2024

Ausgleichmassnahmen zwingend notwendig

Im Sinne einer kohärenten Klimapolitik braucht die Schweizer Zementindustrie deshalb einen CO2-Grenzausgleich bei der Einfuhr von Zementwaren. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Zementproduktion erhalten bleiben, indem die Kosten, welche Schweizer Zementproduzenten für das CO2 bezahlen, auf Importe aus Drittstaaten ohne gleichwertige Klimapolitik aufgeschlagen werden. Die EU kennt bereits ein vergleichbares System.

Pragmatischer Vorschlag der Umweltkommission liegt auf dem Tisch

National- und Ständerat haben diese Herausforderungen für die Zementwirtschaft erkannt. Die Umweltkommission des Nationalrates hat daher einen gezielt auf die Zementindustrie ausgerichteten, sektorspezifischen Grenzausgleich ausgearbeitet, der sowohl pragmatisch, ökologisch zielführend wie auch volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Er trägt der unternehmerischen Realität der Industrie Rechnung, ohne negative Einschränkungen für andere Industrien auszulösen.

Schweizer Infrastruktur braucht Schweizer Zement

Fest steht: Ohne einen Ausgleich der klimapolitisch bedingten CO2-Kosten fehlen den Zementunternehmen in der Schweiz gleich lange Spiesse gegenüber Nicht-EU-Konkurrenten. Mit einer drohenden Verlagerung der Zementproduktion ins Ausland würde die Schweiz ihr wichtigstes Produkt zur Herstellung von Beton verlieren. Für den öffentlichen Verkehr der Schweiz wäre dies ein derber Verlust. Ob im modernen Gleisbau, bei Bahnbrücken und Tunnels oder der Erstellung widerstandfähiger Gebäude in den abgelegensten Gebieten der Schweiz – Beton ist für die Schweizer Verkehrsinfrastrukturen ein Gut von unterschätztem Wert. Insbesondere mit Blick auf die unsichere Weltlage ist es mehr denn je im Interesse einer zukunftsfähigen Schweizer Infrastruktur, die Versorgungssicherheit mit Schweizer Zement aufrechtzuhalten.

© cemsuisse

Dr. Stefan Vannoni leitet seit rund neun Jahren als Direktor von cemsuisse die Geschicke des Verbands der Schweizer Cementindustrie. Der Verband vertritt die Interessen der drei Schweizer Zementhersteller auf nationaler und internationaler Ebene gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.


© cemsuisse

Dominique Engelhart verantwortet als Leiterin Kommunikation und Public Affairs die politische und öffentliche Kommunikation des Verbands.