3. 03. 2021

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3. 03. 2021

Die SBB reagiert auf die stark steigende Nachfrage nach Velotransporten

Ein Sonntagnachmittag im Juli 2020 auf dem Perron in Visp: Hunderte von Menschen warten dichtgedrängt auf den IC nach Bern und Zürich. Viele davon mit Reisegepäck und schätzungsweise 40-50 mit Velos. Nach der Einfahrt des Zuges spielen sich tumultartige Szenen ab: Die Velos müssen alle eingeladen werden, von diszipliniertem Warten keine Spur – das Recht des Stärkeren scheint sich durchzusetzen. Die Folge: Mit rund 7 Minuten Verspätung kann der Zug die Fahrt in Visp fortsetzen. Der Beitrag von Stephan Wehrle, Kommunikation SBB Personenverkehr

Die Nachfrage nach Reisen und Ferien in der Schweiz ist aufgrund der Coronakrise stark gestiegen. Die SBB wurde von der stark gestiegenen Nachfrage während der Sommermonate 2020 überrascht. Die Folge waren Kapazitätsengpässe und teilweise unzufriedene Kundinnen und Kunden, die ihre Reise nicht mit dem geplanten Zug durchführen konnten. Im Spitzenmonat Juli 2020 wurden beispielsweise rund 80'000 Velotageskarten verkauft, was einer Zunahme von rund 45 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Zudem hat die SBB auf den Hauptachsen Zürich-Chur und Bern-Brig bis zu 15'000 Velos im Selbstverlad transportiert.

Gemeinsamer Dialog und raschere Umsetzung von Kundenbedürfnissen

Die SBB geht davon aus, dass die Nachfrage für Reisen mit Velos weiter zunehmen wird und trägt dieser Entwicklung Rechnung. Sie hat einen breit abgestützten Dialog mit Velo-Interessenvertretern sowie Konsumenten- und Branchenorganisationen rund um das Thema Unterwegssein mit dem Velo angeregt. Das Ziel ist, das Angebot weiter zu verbessern, zu vereinfachen und noch kundenfreundlicher zu gestalten. Die SBB ist jedoch allen Kundinnen und Kunden verpflichtet und will ein Angebot zur Verfügung stellen, das den Bedürfnissen möglichst aller Kund*innen entspricht und Rechnung trägt – zum Beispiel auch Menschen mit einer Beeinträchtigung oder Familien.

Verdreifachung der Kapazitäten und Planungssicherheit dank Reservation

  • Zum Auftakt der Velosaison ab 21. März und bis Ende Oktober erhöht die SBB für den Veloselbstverlad auf den wichtigen Linien des Freizeitverkehrs die Kapazitäten zu den nachfragestarken Zeiten, wenn immer möglich, auf bis das Dreifache der bisherigen Kapazitäten. Dazu zählen die Strecken Bern-Brig und Zürich-Chur, aber auch ins Tessin, nach Interlaken und am Jurasüdfuss werden zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt. Auf diesen Linien werden die Kundinnen und Kunden von SBB Mitarbeitenden beim Verladen der Velos unterstützt.
  • Um die Kapazitäten auch mittel- und langfristig auszubauen, prüft die SBB derzeit bei verschiedenen Zugstypen, mit welchen technischen Massnahmen langfristig zusätzliche Veloplätze geschaffen werden können.
  • Zur Sicherheit und besseren Planbarkeit für die Kund*innen erweitert die SBB während der Velosaison an den Wochenenden (Freitag bis Sonntag) sowie an allgemeinen Feiertagen die Reservationspflicht auf alle Intercity-Züge in der Schweiz. Die Züge sind im Onlinefahrplan mit dem bekannten Symbol gekennzeichnet.
  • Eine Mitnahme von Velos im Selbstverlad in den gekennzeichneten Zügen ist nur mit einer Reservation und gültigem Velo-Billett möglich.
  • Die Reservation kann bis kurz vor der Abfahrt über die App SBB Mobile getätigt werden. Ein Kauf ist auch am Schalter oder – mehrere Tage im Voraus – über das SBB Contact Center (Tel. 0848 44 66 88) möglich. Der Preis für die Reservation wird von bisher 5 Franken auf 2 Franken für eine durchgängige Verbindung – beispielsweise für mehrere Streckenabschnitte – gesenkt.
  • Velopass-Inhaber erhalten ein Guthaben für 25 Reservationen im Wert von 50 Franken.
  • Ab dem Start zur Velosaison ab 21. März können zudem auch internationale Züge innerhalb der Schweiz mit einer Reservation für den Velotransport genutzt werden. Im Regionalverkehr (R, S, RE-Züge) sowie in den Interregio-Zügen (IR) können Velos weiterhin ohne Reservation mit einem gültigen Velo-Billett, soweit Platz verfügbar, transportiert werden.
  • Die Mitnahme von Faltvelos ist ab dieser Saison im gesamten öffentlichen Verkehr auch ohne zusätzliche Verpackung und wie bisher ohne zusätzliches Velo-Billett möglich.

120'000 Menschen nutzen täglich Veloparking, Sharing- und Miet-Angebote

In den letzten Jahren hat die SBB das Angebot für Reisen mit Velos ausgebaut, unter anderem mit Velobereichen in Zügen und bedientem Service im Gepäckabteil. An den Bahnhöfen wurden zudem die Veloabstellplätze in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit den Gemeinden um rund 10'000 erhöht und damit seit 2013 signifikant ausgebaut – rund 120'000 Menschen nutzen täglich Veloparking- und Sharing-Zonen, Veloparkings und Mietangebote. Die SBB will das Angebot in Zukunft einfacher und kundenfreundlicher machen und gleichzeitig die verschiedenen Angebote der vier Pfeiler Veloselbstverlad, Bike+Ride/Velostationen, Mietangebote und Veloversand besser mit dem übrigen Billett-Sortiment vernetzten. Hierzu bestehen bereits Testangebote.