3. 07. 2020

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3. 07. 2020

Auch nach der Corona-Pandemie könnte die Telearbeit im Trend bleiben – aber nicht für alle

Während der Corona-Pandemie in diesem Frühjahr hat sich die Arbeit im Homeoffice für viele Arbeitnehmer in Europa als Notwendigkeit durchgesetzt. Auf dem Höhepunkt der Krise arbeitete in Frankreich oder in der Schweiz jeder zweite Arbeitnehmer ganz oder teilweise von daheim. Diese Möglichkeit war jedoch vor allem besonders gut ausgebildeten Personen vorbehalten. Das in Europa vor der Krise noch weitgehend brachliegende grosse Homeoffice-Potenzial und der starke Wunsch von Berufstätigen, es zu nutzen, legen nahe, dass die Praxis des Homeoffice auch nach der Corona-Krise weiterhin im Trend liegen könnte. Das geht aus einer von März bis Mai in sieben europäischen Ländern durchgeführten Umfrage hervor, deren Ergebnisse das Lausanne Forschungsbüro veröffentlicht hat.

Befragt wurden vom 3. April bis 5. Mai 2020 14’866 Personen, die in der Schweiz, Frankreich, Belgien, Deutschland, Österreich, Luxemburg und Spanien leben. Die Corona-Krise war eine einmalige Gelegenheit für Arbeitnehmer ebenso wie für Arbeitgeber, die Arbeit von zu Hause aus zu testen. Diese Möglichkeit wurde in den von der Umfrage betroffenen Ländern ausgiebig genutzt, jedoch mit unterschiedlicher Intensität. In Frankreich, Luxemburg und der Schweiz hat jeder zweite Arbeitnehmer ganz oder teilweise auf Homeoffice umgestellt, in Deutschland jeder dritte. Unsere Umfrage zeigte auch, dass die Arbeitnehmer, die bereits Erfahrung mit der Arbeit im Homeoffice hatten, es mehr genutzt haben als andere.

Die grössten Unterschiede bei der Nutzung des Homeoffice sind vom Ausbildungsniveau abhängig. Während Arbeitnehmer mit tertiärer Bildung massiv davon Gebrauch machten, konnten Arbeitnehmer ohne nachobligatorische Ausbildung meist nicht weiterarbeiten. Einen Beruf zu haben, der sich auch im Homeoffice ausüben lässt, war eine echte «Arbeitslosenversicherung» und ermöglichte es, die Einführung von Kurzarbeit stark einzuschränken. Diejenigen, die weiterhin zur Arbeit gingen, sind verstärkt mit dem Auto gefahren, während die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel inner- und ausserstädtisch stark zurückgegangen ist. Viele Berufstätige sind in dieser Zeit auch verstärkt zu Fuss gegangen. Das Fahrrad hingegen wurde während der Krise von Pendlern nicht häufiger genutzt als zuvor. Die verstärkte Nutzung des Fahrrads resultiert nicht aus den Wegen von und zur Arbeit, sondern aus Fahrten zu anderen Zwecken. Der Anteil des Autos hat in allen sieben Ländern zugenommen, am stärksten in Luxemburg und Spanien.

Die Studie hat auch gezeigt, dass es ein grosses Potenzial für die Arbeit im Homeoffice gibt und dass dieses bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Schliesslich wurden die Umfrageteilnehmer dazu befragt, ob sie auch künftig die Möglichkeit des Homeoffice in Anspruch nehmen möchten. Wie sich zeigt, würde ein Grossteil diese Möglichkeit tatsächlich gerne häufiger nutzen, insbesondere diejenigen, die täglich Familienund Berufsleben balancieren. Der aktuelle Kontext scheint dazu beizutragen, dass sich in Europa die verstärkte Arbeit im Homeoffice als eine nachhaltige Folge der Corona-Krise von 2020 etabliert.

Der vollständige Bericht steht hier zur Verfügung (auf Französisch).

Ansprechpartner

Dr. Emmanuel Ravalet, Forscher, Projektleiter bei Mobil’homme: emmanuel.ravalet@mobilhomme.ch +41 76 628 86 05 oder +33 7 78 68 49 47

Dr. Marc Antoine Messer, Direktor von Mobil’homme: marc-antoine.messer@mobilhomme.ch +41 79 473 64 62